Wie erleben Menschen ihre Social-Media-Nutzung am Abend? Neue Publikation von Astrid Jansen zu Social Media, Schlaf und subjektiven Erfahrungen [12.06.26]
In der Fachzeitschrift New Media & Society ist der Artikel „Beyond exposure: Subjective appraisal of evening social media use“ von Astrid Jansen erschienen.
Die qualitative Studie untersucht, wie Menschen ihre Social-Media-Nutzung am Abend erleben und bewerten und welchen Beitrag diese subjektiven Erfahrungen zum Verständnis der bislang teils widersprüchlichen Befunde im Forschungsfeld Social Media und Schlaf leisten können.
Grundlage der Untersuchung sind Interviews mit 56 Personen im Alter von 14 bis 87 Jahren in Kombination mit einwöchigen Medientagebüchern. Die Ergebnisse zeigen, dass die Nutzung sozialer Medien am Abend eine eigenständige soziale Praxis darstellt, die den Übergang zwischen den Anforderungen des Tages und der Nachtruhe begleitet. Soziale Verbundenheit, Entspannung und emotionale Regulation spielen dabei eine zentrale Rolle.
Gleichzeitig erweist sich Ambivalenz als prägendes Merkmal der abendlichen Nutzung: Dieselben Routinen können sowohl als verbindend und beruhigend so wie auch als belastend, verpflichtend oder störend erlebt werden. Die Erfahrungen hängen dabei weniger von Nutzungsdauer ab als von situativen Bewertungen, individuellen Bedeutungszuschreibungen und plattformspezifischen Eigenschaften. Darüber hinaus beeinflussen gesellschaftliche Vorstellungen über „gesunde“ Mediennutzung, wie Menschen ihre Nutzung und deren Auswirkungen auf den Schlaf im Nachhinein bewerten.
Die Studie unterstützt damit aktuelle Forschungsansätze, die fordern, soziale Medien nicht allein über Nutzungsdauer oder Exposition zu betrachten, sondern subjektive Erfahrungen, Bewertungen und Sinnzuschreibungen stärker in den Mittelpunkt zu rücken.

